Waldorfpädagogik - weltweit

Die Waldorfpädagogik hat sich von Deutschland aus weltweit etabliert. Es arbeiten mehr als 1.000 Schulen, davon 220 in Deutschland, auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners.

Pädagogische Ziele - Erziehung und Bildung für unsere Zeit

Die Entwicklungsgesetze des Kindes und des Jugendlichen bestimmen Inhalte und Methoden des Lehrens. Der junge Mensch soll eine breite Basis an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, um sich den wandelnden Anforderungen der Zukunft stellen zu können. Er soll einen weiten Horizont gewinnen und die vielen Fachgebiete miteinander verbinden können, um in der spezialisierten Berufs- und Lebenswelt eine sinngebende Orientierung zu finden. Die Schule will dem jungen Menschen durch vielfältiges Üben helfen, zu einem individuellen Urteil und zu selbstbestimmtem Handeln zu finden. Sie will Initiativkraft und Verantwortlichkeit gegenüber Mitmenschen und Umwelt schulen.

Der Hauptunterricht - Lernen in Rhythmen und Sinnzusammenhängen

Die Fächer, die vorwiegend betrachtenden und erkennenden Charakter haben, in denen also das "Haupt" Mittelpunkt der Betätigung ist, werden in Epochen unterrichtet. Das bedeutet, dass z.B. vier Wochen lang das Rechnen (Mathematik) behandelt wird, dann folgen drei Wochen Beschäftigung mit der Heimatkunde, und daran schließen sich vier Wochen Sprachlehre (Deutsch) an. Dieser Unterricht findet täglich von Montag bis Samstag in der Zeit von 8 bis 10 Uhr statt. Durch die so eingerichtete Lernhygiene ist ein intensives Sich-Verbinden mit vielfältigen Aspekten des Themas möglich, das oft auch eine Ausstellung von Schülerarbeiten oder ein kleines Theaterstück als Ergebnis hat

Lernen mit Kopf, Herz und Hand - variable Klassengröße

Im Anschluss an den Hauptunterricht findet der Fachunterricht statt, der auch von den entsprechenden Fachlehrern erteilt wird. Hier finden sich die Fächer, in denen regelmäßig geübt werden muss: zwei Fremdsprachen von der ersten Klasse an, Musik, Eurythmie, Turnen und Religion. Hier wird schon sehr bald die Klasse geteilt, so dass die Lerngruppe etwa 17 bis 20 Schüler umfasst. Und schließlich wird von Anfang an ein großer Wert auch auf das praktische Tun gelegt. In den Fächern Handarbeit, Holzwerken, Gartenbau, später auch Malen, Plastizieren, Kupfertreiben, Schmieden, Kartonage und Buchbinden ist die Klasse sogar gedrittelt.

Fremdsprachenlernen - von Anfang an

Schon von der ersten Klasse an werden Englisch und Französisch unterrichtet. Auch dabei orientiert man sich an der Entwicklung des Kindes und nutzt die in diesem Alter noch stark vorhandenen Nachahmungsfähigkeiten aus. Das Erlernen der fremden Sprache geschieht durch Singen, rhythmisches Sprechen und durch Üben in Form von kleinen Spielen, ohne dass übersetzt wird - im Grunde so, wie auch die Muttersprache gelernt wurde. Erst ab Klasse 4 wird auch schriftlich gearbeitet und werden Strukturen der Sprache (Vokabeln, Grammatik) bewusst gemacht.

Eurythmie - Sprache und Musik in Bewegung

Die Eurythmie ist untrennbar mit der Waldorfschule verbunden. Eurythmie ("schönes Bewegen, Gleichmaß der Bewegung", griech.) ist eine von Rudolf Steiner geschaffene Bewegungskunst, in der Sprache und Musik über das innere Erleben durch Bewegungen des Körpers künstlerisch gestaltet werden. Dabei ist nicht nur der Einklang mit den objektiven Gesetzmäßigkeiten der Sprache / der Musik herzustellen, sondern auch das Zusammenwirken in der Gruppe.

Handwerklich - künstlerischer Unterricht

Der Handarbeitsunterricht beginnt in der ersten Klasse. Spielerisch lernen die Kinder ihre Hände gezielt und koordiniert zu bewegen. Der Umgang mit verschiedenen Materialien erfordert unterschiedliche Arbeitstechniken. Durch differenziertes und im Laufe der Jahre zunehmend selbstständiges gestalterisches und handwerkliches Handeln werden unter anderem der Wil-le und die Fähigkeit zur Geduld ausgebildet. Die Arbeitsweise und das Er-gebnis spiegeln den Schülern ihre Fähigkeiten und Unfähigkeiten. Die Schü-ler lernen so, die Grenzen ihrer handwerklichen, gestalterischen und wil-lensmäßigen Möglichkeiten kennen und erleben, dass sie diese Grenzen überwinden und erweitern können. In den unteren Klassen arbeiten die Kin-der mit weicher Wolle, die dem Wesen des kleinen Kindes entspricht. Ab der sechsten Klasse werden den Schülern in den Werkepochen Plastizieren, Holzwerken, textiles Gestalten, Kartonage, Buchbinden, Kupfertreiben etc. Materialien vorgelegt, deren Bearbeitung die dann vorhandenen Körper-, Gestaltungs- und Willenskräfte abrufen.
In der Klasse 6 beginnen die sogenannten „Werkepochen“. In diesen prak-tisch orientierten Bereichen ist die Klasse gedrittelt und hat für ca. 6 Wo-chen intensiven Unterricht in den Bereichen Gartenbau, Handarbeit, Plasti-zieren, Malen, Holzwerken, Kupfertreiben, Kartonage, Buchbinden. Die Un-terrichtszeit umfasst 2 bis 3 Doppelstunden pro Woche.

Musik

Musik ist ein unverzichtbarer und wesentlicher Bestandteil der Waldorfschule. Instrumentalunterricht ist Regelfach, alle Kinder lernen in der ersten Klasse, Blockflöte zu spielen. Ab Klasse 3 soll jedes Kind auch individuell ein Orchesterinstrument erlernen, so dass schon frühzeitig ein erstes Klassenorchester seine regelmäßige Arbeit aufnehmen kann. Hierbei arbeiten unsere drei Musiklehrer eng zusammen mit dem Musikförderverein der Schule und den privaten Instrumetallehrern .

In der Oberstufe gehören alle Schüler entweder dem Orchester (ca. 80 Schüler) oder dem Chor an. Jeweils zu Weihnachten und am Ende des Schuljahres gibt es große Konzerte mit allen Schülern.

Sport

In den unteren Klassen wird der Schwerpunkt auf das Spielturnen gelegt. Später stehen Geräteturnen, Schwimmen, Segeln, Tennis, Leichtathletik, Mannschaftsportarten auf dem Plan. In der 6. Klasse wird in der Regel eine Skifreizeit veranstaltet.

Waldorfschule - nicht konfessionsgebunden, aber christlich

Waldorfschulen sind christliche, aber konfessionslose Schulen. In den Klassen aller Altersstufen wird sowohl evangelischer als auch katholischer Religionsunterricht und, je nach Wunsch, auch Religionsunterricht der Christengemeinschaft erteilt, wobei die jeweiligen Kirchen für ihren Unterricht verantwortlich sind. Daneben gibt es den konfessionslosen "freien" christlichen Religionsunterricht, der sich an den menschheitlichen Grundwerten der christlichen Erziehung orientiert und von Lehrern der Schule gegeben wird. Religion ist während der gesamten Schulzeit Pflichtfach. Die Eltern bestimmen, welchen Religionsunterricht ihr Kind besucht.

Die Oberstufe - Qualifizierter Fachunterricht

Oberstufe der Waldorfschule: das sind die Klassen 9 bis 12. Auch jetzt rich-tet sich der Lehrplan wieder am Entwicklungsstand der Schüler aus. Haupt-unterricht wird nun in den jeweiligen Fächern von durch ein Hochschulstudi-um qualifizierten Fachlehrern erteilt. Zwei Lehrer werden zu „Klassenbe-treuern“, die die Schüler durch die Oberstufe hindurch begleiten. Den Stun-denplan beherrschen weiterhin die Epochen mit anschließenden Fachstun-den, jetzt aber ergänzt von lebenspraktischer Ausbildung, den Praktika: Ei-nem Landwirtschaftspraktikum, das die Schüler in der Regel einzeln auf ei-nem Bauernhof absolvieren, folgt das Landvermessungspraktikum in der 10. Klasse, das angewandte Mathematik und soziales Miteinander beinhaltet. In der 11. Klasse absolvieren die Schüler - wieder auf sich allein gestellt - ein Sozialpraktikum, bis in der 12. Klasse eine Studienfahrt in der Regel mit kunstgeschichtlichen Inhalten ansteht, die die Schüler nun weitgehend selbst planen und organisieren. Ein Betriebspraktikum ist in den Klassen 10 und 11 möglich.

Das Ende der Schulzeit - Waldorfabschluss und Staatliche Abschlüsse

Die Waldorfschulzeit endet mit der 12. Klasse. Im Verlauf der Klasse 12 finden die verschiedenen Fachbereiche ihren Abschluss, der durch die Präsentation in der Öffentlichkeit und durch die Begutachtung Prüfungscharakter für den Einzelnen und für die Klassengemeinschaft hat. Dies sind:
-der Künstlerische Abschluss im Bereich der Eurythmie, der Musik und der Darstellenden Künste in Form von Aufführungen und Ausstellungen,
-das Klassenspiel als Ergebnis künstlerischer und sozialer Prozesse,
-die individuell erstellte Jahresarbeit, die einen praktischen und einen veröffentlichten schriftlichen Teil umfasst
-das Projekt "Abschlussfahrt"

Bereits m Verlauf der 11. Klasse erwerben die Schüler die mittleren Abschlüsse, wobei sie in Mathematik, Deutsch und Englisch auch an den zentralen Prüfungen teilnehmen.
Am Ende der 12. Klasse erhalten die Schüler ihr Abschlussportfolio, in dem ihre umfangreichen Kompetenzen dokumentiert werden.

Die 13. Klasse - Vorbereitung auf die Abiturprüfung

Im Verlauf der 12. Klasse können sich die Schüler intern für den Besuch der Abiturvorbereitungsklasse qualifizieren. Dazu sind keine zusätzlichen Unterrichtsstunden oder Prüfungen notwendig. Die Schüler erwerben und zeigen die erforderlichen Fähigkeiten an den Unterrichtsgegenständen der Waldorfpädagogik. In der Regel gilt dies für etwa zwei Drittel eines Jahrgangs. Diese Schüler bereiten sich dann in sehr intensiver Form auf die Abiturprüfungen vor, wobei sie von den oftmals bereits vertrauten Lehrern der eigenen Schule unterichtet und unter staatlicher Aufsicht auch geprüft werden. In den zentral geprüften Fächern bearbeiten die Schüler dieselben Aufgaben wie die an den staatlichen Schulen.

Beurteilungen ja, Noten nein - Zeugnisse als Entwicklungshilfe

Noten werden in den meisten Waldorfschulen erst sehr spät gegeben. An ihre Stelle tritt die ausführliche individuelle Charakterisierung der Entwick-lung des Schülers. Stärken und Schwächen werden aufgezeigt und Hinwei-se für ein sinnvolles und effektives Weiterlernen gegeben. Dabei ist nicht ein allgemeines „Klassenziel“ vorrangiger Maßstab, sondern der Schüler wird in erster Linie an dem gemessen, was er aus seinen eigenen Möglichkeiten gemacht hat. Das Zeugnis am Ende des Schuljahres umfasst so mehrere Textseiten. In der Oberstufe wird es durch Lernbegleitungsgespräche er-gänzt, so dass der Schüler nach und nach Verantwortung für das eigene Lernen übernehmen kann.

Waldorfschule - Selbstverwaltung ohne Hierarchie

Die Waldorfschule ist eine Schule ohne Direktor. Jeder Lehrer bringt seine Fähigkeiten und seine Arbeit in das Kollegium ein, das wöchentlich in der „Pädagogischen Konferenz“ die inhaltlichen Fragen der Schulgestalt berät, auswertet und weiterentwickelt. Hier liegt auch die Verantwortung für den Lehrplan der Schule.
Der Vorstand und die Ausschüsse, die mit erfahrenen Lehrern und mit Eltern besetzt sind, treffen alle rechtlichen und personellen Entscheidungen in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Konferenz und den Fachkonferenzen.

Waldorfschule - Schule der Eltern

Grundlage für die Existenz der Schule legen die Eltern selbst. Schulgründungen sind das Ergebnis von Elterninitiativen, Eltern halten die Schule am Leben, die Eltern sind es, die auf Elternabenden die Entwicklung ihrer Klasse kritisch begleiten und sich mit den pädagogischen, organisatorischen und rechtlichen Belangen der Schule auseinandersetzen

 

Die Finanzen - Staat und Eltern zahlen

Das Land übernimmt ca. 70% der Gesamtkosten. Die verbleibenden Kosten muss der Förderverein aufbringen, wobei sich die Höhe des Elternbeitrages nach sozialen Gesichtspunkten und relativ zum Familieneinkommen be-misst. Der Beitrag wird in einem Gespräch mit Eltern aus dem Finanz- und Wirtschaftskreis individuell festgelegt.

 

Waldorflehrer werden

HomeUnsere SchuleWaldorfpädagogikMittwochsbriefKontaktFAQIntern