Our Town

"Habt ihr alle eure Töne?" - Der Trailer mit Eindrücken aus den Proben.

 

Der Blick zurück auf das eigene Erdendasein aus dem Jenseits mag etwas sehr Außergewöhnliches sein, selbst dann, wenn es eher durchschnittlich und normal verlaufen ist.

 

In Thornton Wilders Werk werden die Stationen von Leben und Tod einiger Bewohner der Kleinstadt Grover`s Corner mit gleichbleibender Neutralität und Schlichtheit beschrieben. Ein sogenannter Stage Manager führt durch das Werk, unterbricht und erläutert Handlungsstränge, die in drei Akten zum Leben erwachen und dem Zuschauer Einblicke in den Alltag, „Daily Life“, „Love and marriage“ und „The Death“ des jungen Paares, Emily und George, und deren Familien gewähren.

 

Das Stück selbst ist so angelegt, als sei der Zuschauer Zeuge der Ereignisse und blicke dabei gleichzeitig hinter die Kulissen, denn jeder Umbau des schlichten Bühnenbildes wird mit angegeben. „No curtain. No scenery“. Mit dieser Anweisung beginnt der erste Akt und dies empfinden die Zehntklässler durchaus als Herausforderung, da sich das Augenmerk dadurch noch mehr auf das Spiel fokussiert. Aber genau so ist es von dem Autor gedacht. Auch fehlende Requisiten wie Töpfe, Tassen, Gläser, etc. verlangen den Darstellern pantomimische Leistungen ab. Stühle haben die Schüler allerdings auf der Bühne, viel mehr aber nicht. Der ständige Wechsel zwischen Spiel und Kommentar des Stage Managers erzeugt eine lebendige Spannung und erhöht die Neugier auf das Kommende trotz der sachlichen Darbietung.

 

Die Jugendlichen proben mittlerweile seit fast drei Monaten und betonen, dass sie nun mit größerer Selbstverständlichkeit längere Texte sprechen und verstehen können. Sprachgefühl und –verständnis haben auf jeden Fall profitiert.

 

Der dritte Akt ist besonders ergreifend, indem er die Bewohner von Grover´s Corner, nachdem über zehn Jahre vergangen sind, nicht nur aus der Sicht des Diesseits, sondern darüber hinaus aus dem Blickwinkel des Jenseits auf die Bühne bringt. Die junge Emily hat ihr Leben schon hinter sich und ist beim Rückblick auf einen ganz normalen Tag ihres Daseins über die Flüchtigkeit der Begegnungen fassungslos. „We don’t have time to look at one another.... Oh earth, you’re too wonderful for anybody to realize you… Do any human beings ever realize life while they live?… Just blind people.”

 

Das Stück ist äußerst sehenswert, und die Handlung ist auch ohne perfekte Englischkenntnisse gut nachzuvollziehen.

 

A. Vogelgesang

HomeUnsere SchuleWaldorfpädagogikMittwochsbriefKontaktFAQIntern