Die Klasse 1b (intern „Sonnenklasse“) wurde eingerichtet, weil Kinder, die zwar gemäß § 35, Abs. 1, Schulgesetz schulpflichtig, nach unserer Erfahrung jedoch nicht schulreif sind, nicht mehr zurückgestellt werden können.
§ 35, Abs. 1, SchulG, besagt, dass für alle Kinder, die bis zum 31.12. eines Jahres das sechste Lebensjahr vollenden, am 1. August desselben Kalenderjahres die Schulpflicht beginnt. Diese Regelung gilt ab dem Schuljahr 2014/2015. Bis zum Schuljahr 2014/2o15 gelten Übergangsvorschriften. Somit ergibt sich für das Schuljahr 2011/2012 der Stichtag 30.09.2005. Dieser Stichtag wird in den folgenden Jahren jeweils um einen Monat zum Ende des Jahres verschoben. Darüber hinaus ist festgelegt, dass nur noch Kinder, die nach dem 30.09. eines Jahres sechs Jahre alt werden, auf Antrag der Eltern zurückgestellt werden können, ältere jedoch nur noch aus erheblichen gesundheitlichen Gründen auf der Grundlage eines schulärztlichen Gutachtens des Gesundheitsamtes.
Vor dieser Neuregelung sah das Kollegium der Rudolf Steiner Schule Düsseldorf keine Notwendigkeit, neue Übergangskonzepte für Vorschulkinder zu konzipieren, da für diese Kinder der Kindergarten als geeigneter Ort galt, um diese zur Schulreife zu führen. Die Kindergärten haben eigene Konzepte, die sogenannten „Königskinder“ in besonderer Weise zu fördern.
Ein anderer Aspekt, unabhängig von der Früheinschulung, ist der, dass schon vor Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes (15.02.2005) in Kindergärten eingeführt wurde, dass Unterdreijährige aufgenommen werden müssen. Das führte dazu, dass nun die ErzieherInnen viel von ihrer Zeit und Kraft für die ganz Kleinen benötigen und sich um die Vorschulkinder nicht mehr in dem Maße kümmern können wie vorher.
Die Klasse 1b in der Diepenstraße richtet sich in erster Linie an Eltern, die ihr schulpflichtiges, aber noch nicht schulreifes Kind für seine Schullaufbahn an unserer Waldorfschule angemeldet haben. Sie ist aber auch offen für „Kann-Kinder“, sowie für Kinder aus öffentlichen Kindergärten. Ein Schulwechsel in die Regelschule ist jederzeit möglich.
In der Waldorfpädagogik wird auf eine altersgemäße Erziehung großen Wert gelegt. So ist für das erste Jahrsiebt, d. h. in den Jahren bis zur Schulreife, zunächst die Pflege der unteren Sinne wichtig. Diese sind: Tastsinn, Lebenssinn, Eigenbewegungssinn, Gleichgewichtssinn. Diese Sinne dienen vor allem der Eigenwahrnehmung und der Abgrenzung gegenüber der Welt. Nur wer in seinem Körper angekommen ist und ihn als Werkzeug zur Verfügung hat, kann offen auf den anderen zugehen und ist andererseits frei für abstraktes Denken. Man stelle sich dies wie ein Haus vor, das auf einem sicheren Fundament gebaut sein muss, um allen Stürmen standhalten zu können.
Unsere Klasse 1b soll den Kindern die Möglichkeit geben, sich in Ruhe zur Schulreife zu entwickeln, wie das zuvor noch im Kindergarten möglich war. Anders als im Kindergarten treffen hier Kinder gleichen Alters aufeinander, die aus verschiedenen Kindergärten zusammenkommen. Da die sozialen Kompetenzen nicht bei allen so weit ausgereift sind, dass sie sich leicht in eine fremde Gruppe integrieren können, liegt im Bilden einer verlässlichen Gemeinschaft ein erstes Lernfeld. Eine überschaubare Größe der Gruppe ist wichtig. Sie sollte deshalb die Zahl von 20 Kindern nicht überschreiten, um den besonderen Anforderungen, die das Vorschulalter mit sich bringt (Wackelzähne, Unausgeglichenheit, Auftreten alter Ängste, Konkurrenzverhalten, usw.), gerecht werden zu können.
Wichtig ist das Anlegen von Tages- und Wochenrhythmen, die den Kindern Sicherheit bieten. Der Vormittag sollte klar gegliedert, Wechsel und Wiederholung ausgewogen sein.
Die Wochentage sind durch besondere Angebote gekennzeichnet. Je nach Jahreszeit und Schulreife können diese jedoch variieren und vor allem in ihrer Intensität zunehmen.
Die Aktivitäten sind unterschiedlicher Art und werden der jeweiligen Lerngruppe angepasst, um auf individuelle Defizite der Kinder eingehen zu können. Im Verlauf des Vormittags wird neben gelenkten Phasen Raum für freies Spielen sowohl im Klassenraum als auch im Außengelände gegeben.
Das Frühstück wird nach einem festen Wochenplan gemeinsam zubereitet und eingenommen, wobei bestimmte verbindliche Dienste verrichtet werden müssen. Alle Kinder sind für die Ordnung, die Sauberkeit und die schöne Gestaltung der Räume mit verantwortlich.
Es gibt einen Jahreszeitentisch, Jahresfeste werden gefeiert. Zusätzlich gibt es Kontakte zum Kindergarten (z. B. beim Wandern) und Kontakte in die Schule (beim Singen und gemeinsamen Festen) um Übergänge zu erleichtern.
Die Unterrichtszeit ist montags bis freitags von 8.00 – 12.00 Uhr.
Auch für die Kinder der Klasse 1b ist der Besuch der Offenen Ganztagsschule (OGS) von 12.00 – 16.30 Uhr möglich.
2003 wurde vom Schulministerium ein Schulfähigkeitsprofil entwickelt. Es wurde den Tageseinrichtungen als Handreichung gegeben und sollte eine Brücke zwischen Kindergärten und Schulen bilden. Folgende Aspekte wurden darin als Lernvoraussetzungen und vorschulische Fähigkeiten in ihrer Bedeutung für das Lernen in der Schule genannt:
- Motorik: Grobmotorik, Feinmotorik
Wahrnehmung: Visuelle Wahrnehmung, Auditive Wahrnehmung,
Körperwahrnehmung, Taktile Wahrnehmung, Orientierung im Raum - Personale / Soziale Kompetenzen: Kommunikation, Selbständigkeit,
Emotionalität, Spiel- und Lernverhalten, Konzentrationsfähigkeit - Elementares Wissen – fachliche Kompetenz: Sprache, Phonologisches
Bewusstsein, Mengen- und Zahlenbezogenes Wissen, Raum-Lage-
Beziehungen, Erschließung der Lebenswelt, Ernährung.
Dieses Profil diente als Grundlage für die Entwicklung der Unterrichtspläne unserer Klasse 1b. Bei den Inhalten wurde darauf geachtet, dass die Kinder möglichst sinnvolle Tätigkeiten erleben, dass echtes Handwerk (Weben, Brot backen, usw.) dem „Basteln“ (Schablonen ausschneiden, Kopien ausmalen) vorgezogen wird. Auch künstlerische Bereiche werden einbezogen, wie Plastizieren, Musizieren, Malen, Eurythmie.
Für das Schuljahr 2009/2010 wurden folgende Pläne aufgestellt:
Tagesablauf:
07.45 – 08.00 | Räume sind geöffnet; ankommen; begrüßen; erzählen; evtl. malen bis alle da sind |
08.00 – 08.10 | Morgenkreis: Kinder erzählen von Erlebnissen des Vortages oder von Plänen an kommenden Tagen |
08.10 – 08.45 | „Rhythmischer Teil“, Kreisspiele, Gedichte, Zungenbrecher, Fingerspiele, Tastkästchen, Bewegungsspiele (Balancieren, Zählspiele), Lieder, Klatschen, etc. |
08.45 – 09.30 | Freispiel im Unterrichtsraum |
09.30 – 09.45 | aufräumen, Frühstück zubereiten |
09.45 – 10.30 | frühstücken, abräumen, spülen |
10.30 – 11.00 | Tagesangebot (z. B. Aquarellmalen) |
11.00 – 11.45 | Freispiel draußen, aufräumen |
11.45 – 12.00 | Abschlussrunde, Geschichte |
Wochenplan:
Montag: Morgenkreis / Rhythm. Teil / Freispiel / Frühstück (Milchreis) / Gartentag / Geschichte
Dienstag: Morgenkreis / Rhythm. Teil / Eurythmie / Frühstück (Brötchen) / Malen / Freispiel / Geschichte
Mittwoch: Morgenkreis / Rhythm. Teil / Leierspiel / Frühstück (Hirse) / Brot backen / Freispiel
Geschichte
Donnerstag: Wandern / Frühstück (Roggenbrot) / Geschichte
Freitag: Morgenkreis / Rhythm. Teil / Freispiel / Frühstück (Müsli) Handwerk/Handarbeit / Freispiel / Geschichte
März 2010
Rudolf Steiner Schule Düsseldorf