Ergebnisse der Kompetenzstudie

Welche Kompetenzen* erwarten Personalverantwortliche von den SchulabgängerInnen im Informationszeitalter?

BildungsCent e.V. veröffentlicht Ergebnisse der Kompetenzstudie

 

Der BildungsCent e.V. befragte in Kooperation mit der Initiative D21  zwischen 20. Januar und 16. Februar 2004 ca. 1.200 Personen mit Personal- bzw. Ausbildungsverantwortung nach ihrer Einschätzung, welche Kompetenzen bei Schulabgängern heute in besonderem Maße erwartet werden. Zur Teilnahme aufgerufen wurden Organisationen aller Größen und Branchen. Der Rücklauf lag mit 134 Fragebögen bei über 11 Prozent. Die nicht repräsentative Online-Befragung umfasste 12 Fragen zu 5 Kompetenzfeldern, die zuvor über eine umfangreiche Literaturstudie ermittelt wurden: Fach-, Methoden-, Medien- und Sozialkompetenz sowie Persönlichkeit. Die Ergebnisse der Studie sollten näheren Aufschluss darüber geben, welche Fähigkeiten Schulabgänger brauchen, um in der Lebens- und Arbeitswelt des Informationszeitalters zu bestehen.

Download: Zusammenfassung der Ergebnisse (pdf)


Die Ergebnisse:
Alle fünf Kompetenzfelder werden von den Personalverantwortlichen als wichtig bis sehr wichtig eingeschätzt. Der in den Augen der Befragten wichtigste Kompetenzbereich: Die Persönlichkeit eines Bewerbers! "Deutsch in Wort und Schrift" ist über alle Kompetenzfelder die wichtigste Einzelkompetenz, dicht gefolgt von den Persönlichkeitsmerkmalen "verantwortungsbewusst und engagiert" und "zuverlässig sein". Als Fachkompetenz ist - neben Deutsch - der Umgang mit neuen Technologien besonders wichtig. Er rangiert noch vor mathematisch-naturwissenschaftlichen oder wirtschaftwissenschaftlichen Kenntnissen. Über 90% der  Personalverantwortlichen erwarten von Schulabgängern klare Kenntnisse in Textverarbeitung, gefolgt von Tabellenkalkulation und Präsentationstechniken. 95 % fordern die Internetsprache Englisch als wichtigste Fremdsprachenkenntnis.

 

Als Topnennungen in den übrigen vier Kompetenzfeldern müssen die SchulabgängerInnen für Personalverantwortliche...
 
engagiert, verantwortungsbewusst und zuverlässig sein, (Kompetenzfeld: Persönlichkeit)
 
verantwortungsbewusst mit neuen Medien umgehen und mit ihnen kommunizieren können, (Kompetenzfeld: Medienkompetenz)
 
sich ständig weiterentwickeln, in Teams arbeiten können und kommunikationsbereit sein, (Kompetenzfeld: Sozialkompetenz)
 
zielorientiert handeln und Probleme effizient lösen können, (Kompetenzfeld: Methodenkompetenz)

 

Die Schlussfolgerungen
Aus diesen Ergebnissen leiten sich folgende Schlussfolgerungen ab:

1. Einstellungen entscheiden sich danach, ob jemand von seiner Persönlichkeit und seinen Sozialkompetenzen in ein Team passt, sich dort integriert und kommunizieren kann. Schule muss vermehrt die Persönlichkeits- und Charakterbildung unterstützen - sie ist immer auch Erziehungsinstanz. Je weniger dies von Elternhäusern abgesichert werden kann, desto höher sind die Anforderungen an eine schulische Charakterbildung.

2. In naher Zukunft wird es kaum einen Arbeitsplatz geben, der ohne neue Technologie auskommen wird. Der LKW-Fahrer muss ein Maut-System bedienen, die Kassiererin im Einzelhandel erwartet das Scan-System, weite Teile der Fertigung in Produktionsbetrieben sind bereits heute voll automatisiert. Kein Unterricht ohne neue Technologien und moderne Kommunikationsmittel - die Einbindung von Rechnern und Internet muss als vierte "Kulturtechnik" zu einem selbstverständlichen Standard in jedem Fachunterricht werden.


3. Lesen und Schreiben sind Grundvoraussetzungen für jede Art der nicht direkten Kommunikation. Das gilt für den Email- wie den Briefverkehr. In der Informationsfülle des Internet werden diese Fähigkeiten benötigt, um Onlineinformationen und Recherche-Ergebnisse zu erfassen und adäquat zu bewerten. Die Vermittlung von Deutschkenntnissen in Wort und Schrift ist eine zentrale Aufgabe von Schule - Lesefähigkeit, Rechtschreibung, Ausdrucksfähigkeit müssen als Querschnittsaufgaben quer durch alle Unterrichtsfächer und während der gesamten Schullaufbahn im Mittelpunkt stehen.

4. Die vernetzte Welt wird vielschichtiger und komplexer. Einfache Lösungen sind nur selten auf lange Sicht effektiv und effizient. Unterricht muss verstärkt auf Problem lösendes Denken ausgerichtet werden - das selbstständige Entwickeln und Bearbeiten von Projekten, Teamarbeit und Projektlernen sind noch immer keine Selbstverständlichkeit an deutschen Schulen. Eine methodische Neuausrichtung von Unterricht muss politisch forciert und an der Basis auch überprüfbar umgesetzt werden.

 

*Kompetenz = die Disposition zur Bewältigung bestimmter Aufgaben (Definition der KMK 2004)

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