Stellungnahme 1

Der Journalist Rainer Fromm, dessen Spezialität Reportagen über Extremismus, Terrorismus, Sekten und Satanismus sind, wärmt längst widerlegte Unterstellungen auf und versucht Waldorfschulen und Rudolf Steiner als rassistisch zu brandmarken. So geschehen in der Frontal21-Sendung des ZDF am Dienstag, 18.4.2006.
Dazu ist festzustellen:
Jegliche Form von Rassismus oder Antisemitismus ist mit Waldorfpädagogik unvereinbar. Das Fundament der Waldorfpädagogik ist die Überzeugung, daß jeder Mensch, gleichgültig welcher Hautfarbe, eine unveräußerliche Würde besitzt, einzigartig und unvergleichbar ist.
Rainer Fromm führt in seinem Beitrag, um den angeblichen Rassismus Steiners zu belegen, nicht autorisierte Zitate aus einem Vortrag vor Bauarbeitern aus dem Jahr 1923 an. Dieser Vortrag stellt eine Auseinandersetzung Steiners mit den rassistischen Vorurteilen seiner Zuhörer dar und zielt darauf ab, diese Vorurteile zu entkräften. Steiner geht es gerade darum, zu zeigen, daß entgegen damals weitverbreiteten Vorurteilen die »Neger« ebenso Menschen sind wie die Weißen.
Steiner hat auch nicht der »weißen Rasse« eine führende Rolle in der Weltgeschichte zugeschrieben. Er hat Differenzen in der Naturanlage des Menschen, die auch die heutige Anthropologie kennt, nicht verleugnet. Er hat aus diesen aber keinen Rassismus abgeleitet, sondern vielmehr die Notwendigkeit eines solidarischen Zusammenlebens der Menschheit auf der ganzen Erde. Rassen haben seiner Auffassung nach für die Weltgeschichte im übrigen keine Bedeutung. Seit Jahrtausenden ist die Entwicklung der Menschheit eine kulturelle Entwicklung, die etwaige Rassenunterschiede nivelliert. Wer Rassismus zum politischen oder weltanschaulichen Programm erhebt, trägt seiner Ansicht nach zum »Niedergang der Menschheit« bei.
Ausführlich wird dies in der Publikation »Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit. Anthroposophie und der Rassismusvorwurf« von Hans-Jürgen Bader und Lorenzo Ravagli belegt, die im Buchhandel erhältlich ist.
Der Begriff der Wurzelrassen ist ein theosophischer Begriff, kein anthroposophischer. Steiner hat den Begriff der Wurzelrassen, auf den er sich einigemale bezog, kritisiert und durch den Begriff der Kulturepochen ersetzt. Der Begriff der Kulturepochen bringt zum Ausdruck, daß die Entwicklung der Menschheit eine kulturelle ist und keine Rassenentwicklung. Die sogenannte »arische Wurzelrasse« der Theosophie schließt bei Steiner asiatische, afrikanische, europäische und amerikanische Kulturen ein.
Außerdem sind die Ansichten Steiners keine Unterrichtsinhalte an Waldorfschulen, das widerspräche ihrem pädagogischen Anliegen grundlegend. Waldorfschüler sollen nicht in eine weltanschauliche Richtung hin erzogen werden.
Rainer Fromm ist bisher nicht als Kenner der Waldorfpädagogik oder der Anthroposophie in Erscheinung getreten. Sein erster Versuch, sich als Experte für Anthroposophie und Waldorfpädagogik zu etablieren, scheiterte. Wegen seines Beitrags über Anthroposophie und Waldorfpädagogik in einer von Ursula Caberta
herausgegebenen Broschüre über »Esoterik und Rechtsextremismus«, der seine Unkenntnis des behandelten Themas belegte, sah sich der Hamburger Senat genötigt, diese zurückzuziehen. Ursula Caberta, Beauftragte der Hamburger Innenbehörde für Scientology, musste, als sie bei der letzten Bundestagswahl für die PDS kandidierte, ihr Amt auf Anweisung der Behörde ruhen lassen, weil sie nicht gleichzeitig für eine Partei kandidieren konnte, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird und selbst den Anspruch erheben durfte, die Verfassung zu schützen.
In der Frontal21-Sendung gelang es Fromm nicht, seine Fragen an den Bund der Freien Waldorfschulen korrekt wiederzugeben. So hieß es in der Sendung: "Wir fragen beim Bund der Waldorfschulen konkret nach, ob dieses Buch noch immer im Untericht verwendet wird." Diese Frage hat Fromm dem Bund der Freien Waldorfschulen nie gestellt.
Jan Badewien, ein weiterer Gewährsmann Fromms, versucht seit Jahrzehnten die Waldorfpädagogik zu diskreditieren. Bereits in den 1980er Jahren bemühte er sich, deren »Unchristlichkeit« nachzuweisen. Dieser Versuch hat eine Diskussion innerhalb der evangelischen Kirche nach sich gezogen, durch die die Christlichkeit dieser Pädagogik Verteidiger innerhalb der Evangelischen Kirche selbst gefunden hat (z.B. Dr. Hellmut Haug). Badewien ist innerhalb der Evangelischen Kirche selbst umstritten und Vertreter einer wissenschaftlich fragwürdigen Extremposition. Neuerdings greift er als »Weltanschauungsbeauftragter« der badischen Ev. Landeskirche auch den von linksextremen Antifa-Gruppierungen erfundenen Rassismusverdacht gegen Waldorfpädagogik und Anthroposophie auf.
»Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit«, das war Steiners Überzeugung. Der Bund der Freien Waldorfschulen hat als Antwort auf die zur Rede stehenden Unterstellungen eine wissenschaftliche Studie veranlaßt. Eine Kurzfassung findet sich hier (Rudolf Steiner als aktiver Gegner des Antisemitismus und Rassismus).
Fazit: Es besteht kein Anlaß sich von einem angeblich absurden Denken Steiners zu verabschieden. Eine vorurteilslose Auseinandersetzung mit Steiners Werk erweist eine solche Forderung als gegenstandslos. Das schließt die Feststellung nicht aus, daß manche Formulierungen Steiners zeitverhaftet sind und einer Übersetzung in heutige Sprachgewohnheiten und Denkformen bedürfen.
Bund der Freien Waldorfschulen e.V. Stuttgart

Stellungnahme 2

ZDF diffamiert Waldorfschulen
 
Waldorfschulen in Verbindung zu dem rassistischen Mordversuch an einem aus Äthiopien stammenden Wasserbauingenieur in Potsdam zu bringen, übertrifft die Perfidität aller bisherigen Verleumdungen der Waldorfpädagogik. Die Begründung hierfür sind falsche Behauptungen: Schwarze beschreibt Rudolf Steiner nicht als "entartet", Weiße nicht als "überlegene Rasse" und es werden an Waldorfschulen im Unterricht keine rassistischen Bücher verwendet, wie es 3sat behauptet (siehe hier).  Grundlage dieses schamlosen Sensationsjournalismus ist ein Beitrag von Rainer Fromm bei frontal21, der wiederum auf Aussagen des Evangelischen Weltanschauungsbeauftragten der badischen Landeskirche Jan Badewien aufbaut.
 
Rassismus ist der Versuch, andersartige Gruppierungen zu erniedrigen. Jan Badewien und Rainer Fromm sind gut im Geschäft.

 

Der vollständige Text von Detlef Hardorp.

Stellungnahme 3

Im Anschluss an den Radiobeitrag des Deutschlandfunks verbreitete der Autor Fromm die Nachricht, der Sprecher der Berlin-Brandenburger Schulen, Detlef Hardorp, habe seine Aussagen bestätigt.

Dazu schreibt Hardorp selbst:

Dr. Detlef Hardorp bestätigt im Deutschlandfunk nicht Frontal21!

Diese Aussage gehört zu der Desinformationskampagne des Autor des Beitrages, Dr. Rainer Fromm.  Fromm schrieb an diverse Mailempfänger:  "Zu Ihrer Kenntnisnahme hat Herr Hardorp vom Bund der Waldorfschulen den von mir dokumentieren rassistischen Vorfall am Lerherausbildungsseminar für Waldorflehrer in Berlin einräumen müssen. Vgl. Deutschlandfunk, DLF Magazin, 27.4.2006."

Ich habe darauf hin Rainer Fromm am 5. Mai 2006 u.a. geschrieben:

"In dem Deutschlandfunkinterview  bestätige ich im Rahmen einer Frage zum kritischen Umgang mit der Hinterlassenschaft Steiners in der Lehrerbildung (Minute 6:46 bis 7:07), dass der Gastdozent, der von ehemaligen Studenten kritisiert wurde, "unkritisch Sachen in den Raum gestellt" hatte.  Ich kommentiere weiter, dass das, was der Gastdozent "da gemacht hat, offensichtlich nicht auf dem Standard war, auf dem es hätte sein sollen".  (...)  Ich fordere Sie auf, es zu unterlassen, falsche Behauptungen über meine Aussagen zu verbreiten und an die Mailempfänger eine entsprechende Korrektur zu verschicken (mit Kopie an mich).  Ein weiteres Detail, auf das ich Sie schon in unserem ersten Telefongespräch deutlich hinwies:  ich vertrete die Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg und nicht den Bund der Waldorfschulen.  Das ist in etwa so, als würden sie von "Klaus Böger vom Bundesbildungsministerium" sprechen.  Als Journalist sollte man auch die Details wahrheitsgetreu wiedergeben!  Sie sollten es mit der journalistischen Sorgfaltspflicht ernster nehmen."

Fromm hat sich schon zum zweiten mal an Rudolf Steiner versucht.  Sein erster Versuch war ein Text über Anthroposophie in einer Hamburger Broschüre "Brennpunkt Esoterik".  Der Text strotzte derart von Fehlern, dass die Hansestadt Hamburg entschied, die gesamte Broschüre deswegen wieder einzustampfen.  Sie erschien kürzlich in zweiter Auflagen ohne den Frommschen Anthroposophie-Verriss.
In dem Frontal21/3sat Beitrag gelang es Fromm nicht einmal, seine Fragen an den Bund der Waldorfschulen korrekt wiederzugeben.  So hieß es in der Sendung:  "Wir fragen beim Bund der Waldorfschulen konkret nach, ob dieses Buch [H.R. Niederhäuser: "Fremde Länder, Fremde Völker", Stuttgart 1960, vergriffen] noch immer im Unterricht verwendet wird."  Diese Frage hat Fromm dem Bund der Waldorfschulen nie gestellt.  Unerschrocken behauptet er es dennoch, um danach zu unterstellen, der Bund habe die Frage nicht beantwortet. Wenn man es mit den einfachsten Ebenen der journalistischer Sorgfaltspflicht nicht einmal mehr ernst nimmt, kann es nicht wundern, dass tendenziös zusammengebraute Zerrbilder entstehen.  So z.B. die Behauptung Fromms, Steiner beschriebe Schwarze als "entartet".  Das tut Steiner definitiv nicht.

Zu den Aussagen Steiners über Indianer noch folgende Bemerkung:

Nach Steiner repräsentiert die Leiblichkeit der so genannten indianischen Rasse innerhalb der gesamten Variationsbreite des menschlichen Organismus jene Form, die dem Geist, damit aber auch dem Tod am nächsten steht (Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit, Anthroposophie und der Rassismusvorwurf, S. 73).  Es ist weniger bekannt aber gut belegt, dass die meisten Indianer Nord-Amerikas durch fehlenden Widerstand den von Europa importierten viralen Infekten erlagen und nur ein Bruchteil durch die Mordzüge der Europäer umkamen.  Dies kann aber in keiner Weise die Greultaten der damaligen Unzivilisation Europas schmälern. Völlig inakzeptabel wäre jegliche Verklärung von Völkermord.  Das ist bei Steiner auch nicht zu finden.  Steiner hat die Massakrierung der Indianer durch den zerstörerischen europäischen Impuls deutlich vor Augen gehabt.  Er belegt wiederholt seine Hochschätzung der indianischen Kultur, da er – und das hat noch niemand angezweifelt – übersinnliches Wissen sehr schätzte: „Aber das Eigentümliche war, dass diese amerikanischen Indianer, die man ausrottete, ein ganz intensives übersinnliches Wissen hatten.“  (Ebenda, S. 74)

Wenn im Geographie-Unterricht die Kulturen der Welt behandelt werden, sollten Steiners anthroposophische Ideen nicht Inhalt des Unterrichts sein. In dem Buch "Hear the Voice of the Griot! Celebrating Africa in Geography, History and Culture" schildert die in der amerikanischen Waldorflehrerbildung tätige Betty Staley, wie afrikanische Kultur an Waldorfschulen im Unterricht durch Geschichte, Geographie, Sagen, Märchen, Gedichte, Lieder, Spiele und sogar Kochrezepte behandelt werden kann (Staley 1996). Waldorflehrer sollten sich allerdings mit den Ideen Steiners kritisch auseinandersetzen, auch während der Ausbildung. Die Kritik des ehemaligen Waldorf-Seminaristen Markus Beauchamp wäre wahrscheinlich so nicht geäußert worden, wenn der Gastdozent des Berliner Lehrerseminars, der das Fach Geographie damals behandelte, die Thematik angemessen problematisiert hätte.

Sehr aktuell ist dieses Thema allerdings nicht.  Die Aussagen Steiners sind etwa ein Jahrhundert als (und seit Jahrzehnten veröffentlicht).  Vor über vier Jahren soll der von Herrn Lichte und Beauchamp kritisierte Halbsatz am Berliner Seminar für Waldorfpädagogik über Indianer gefallenen sein.  Meine Stellungnahme zum Frontal21 Beitrag findet man bei http://www.waldorf.net/3sat.htm.

Detlef Hardorp

Quellen

Das Video der Sendung können Sie hier herunterladen.

 

Das Manuskript stellt das ZDF ebenfalls als pdf-Dokument zur Verfügung.

 

Die Stellungnahme des Bundes der Freien Waldorfschulen.

 

Die Fragen des Journalisten Fromm und die Antworten des Bundes.

 

Rudolf Steiner als aktiver Gegner des Antisemitismus:

"Die Juden brauchen Europa und Europa braucht die Juden"

Kurzdarstellung zu Rudolf Steiners Haltung zum Antisemitismus

 

Die Überwindung des Rassismus durch die Anthroposophie

"Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit"

Kurzdarstellung zu Rudolf Steiners Haltung zum Rassismus

 

Zum Rassismusvorwurf in der Wikipedia (lesenswert)

 

Die Stelle aus dem Buch von Niederhäuser im Zusammenhang (pdf).

 

Der "Vowurf" von 3sat

 

Ein Mitschüler nimmt Stellung:

Hallo!

Ich bin Schüler der Waldorfschule, auf der Esthelle ein halbes Jahr war.
Es ist schlimm, wie Frontal21 vom 18. 04. 06 im Bericht "Von Ariern und primitiven Rassen- Steiner Lehrern und die Waldorfschulen" berichtet hat!
Esthelle kam nach mehreren Schulwechseln auf die Waldorfschule. Es war wie es aussieht mal wieder wie leider so oft die letzte Chance für einen Schüler, überhaupt noch genommen zu werden. Esthelle bekam wie jeder Quereinsteiger ein halbes Jahr Probezeit, das sie nicht bestand. Leider nennt Esthelle heute ihre Hautfarbe als Grund, dass sie von der Schule ging. Dass sie die Probezeit nicht bestanden hatte, wird in Frontal21 nicht erwähnt. Komisch ist auch, dass sie überhaupt auf meine Schule kam, wenn doch Ihre Mutter schon vorher wusste: "Ich habe auch manche Eltern vorher kennen gelernt, deren Kinder dort waren. Und sie haben ihre Kinder weg von der Schule genommen , weil es gab Schlägereien wegen Rassismus, sie sind Schokolade oder Neger, oder sie haben Kinder beleidigt". (Aussage von Esthells Mutter gegenüber Frontal21). Ich selbst verabscheue Fremdenhass, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus aus aller Äußerte. Vorfälle, wie sie in Frontal21 genannt werden, habe ich in meinen 13 Schuljahren nicht erlebt! Esthelle war übrigens nicht die einzige Farbige an meiner Schule. Inzwischen sind etliche Schüler aus allen möglichen Nationen auf der "betroffenen" Schule, OHNE irgendwelche Konflikte zwischen Deutschen und ausländischen Schülern!
Quelle:gulli:board

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